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Anselm von Canterbury Stiftung
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Institut für philosophisch-theologische

Forschung und Bildung

 

Entwurf:

 

1.  Name, Form und Aufgabenstellung

  1. Die Abteilung trägt den Namen:
  2. Abteilung für ostasiatische Geistesgeschichte (AOG)

  3. Sie ist dem Institut für philosophisch-theologische Forschung und Bildung (IThB) in Beuron angegliedert.
  4. In ihrer Zwecksetzung entspricht die AOG als Gliederung des IThB dem Anliegen der Anselm von Canterbury Stiftung, durch die von ihr unterstützten Arbeiten „der Bildung von Achtungs- und Verantwortungsvermögen, von Urteilskraft und Vernunft in der Orientierung von Menschen als Personen zu dienen“.
  5. Unter „ostasiatischer Geistesgeschichte“ sind alle geistigen Traditionen zu verstehen, die zu den Kulturen der Länder Ostasiens gehören und in der Geschichte wesentlich zur kulturellen Identität von Völkern in ihren Auseinandersetzungen und Vereinigungen beigetragen haben. Ihre Bedeutung ist als geistige nicht auf die Menschen und Völker in Asien beschränkt. Darum sollen durch die Arbeiten, die die AOG initiiert und fördert, die Tragkräfte von Traditionen Beachtung finden, die für Menschen in ihren gemeinschaftlichen Institutionen und gesellschaftlichen Orientierungen wirksam geworden sind und wirksam werden können.
  6. Die Abteilung für ostasiatische Geistesgeschichte sieht ihre Aufgabe näherhin in der komparativen Forschungsarbeit in Kooperation und Austausch internationaler Wissenschaftler, Fachleute, Studierender und aller Interessenten, die mit der Pflege von ostasiatischen geistigen Traditionen befaßt sind und Kenntnisse in den Bereichen Philosophie, Religion, Ästhetik, Ethik und Recht beitragen oder erwerben wollen.
  7. Da Dialog und Austausch zwischen verschiedenen Traditionen und kulturell unterschiedlich sich fassenden geistigen Haltungen nicht ohne Erkenntnisbemühung um die eigenen Wurzeln und ihre geschichtliche Herausbildung möglich ist, wie dies der japanische Philosoph der Kyoto-Schule, Keiji Nishitani betonte, gehört die enge Zusammenarbeit mit den philosophisch-theologischen Forschungen, wie sie zum Kanon der akademischen Lehre gehören und das Grundsatzprogramm des IThB aus den antiken und nahöstlichen, den mittelalterlichen und abendländisch-neuzeitlichen Traditionssträngen aufnimmt, selbstverständlich zu den Anliegen der AOG.

2.  Arbeitsperspektiven und -methoden

  1. Die Interdisziplinarität der Forschung begleitet die transkulturelle und internationale Ausrichtung der Abteilung. Ihre Arbeiten sollen auch grundlegend wirken können für die gemeinsame Wegfindung in Erkenntnis und Lösung von weltpolitischen Problemen aus ethische Einsicht bezeugender Verantwortung. Die Bildung von Achtungsvermögen begreifen wir als das, was allen und allgemein Not tut. An dieser Not haben wir kulturübergreifend teil und kulturübergreifend sind auch die Bedingungen zu erkennen, in der wir uns der eigenen kulturellen Bedingtheit im freiwerdenden Blick auf die Vielfalt von Lebensformen und Kulturen bewußt werden. Wir können hierbei gar nicht anders, als in den Bedingungen des Achtungsvermögens eine Wechselseitigkeit geltend zu machen. Das Maß der Angemessenheit gegenüber dem anderen, das begegnend in Beurteilungskriterien von Selbstidentität und Selbstbewußtsein wahrgenommen wird, bringen wir aus durchaus mühvoll erworbener Einsicht auf philosophische Weise aus unserer geistigen Tradition mit. Achtung in der Haltung und Angemessenheit im Vernehmen können für uns nicht unbedingt maßgeblich sein, wenn wir diese Angemessenheit und Achtung nicht auch von dem erwarten dürfen, das selbst als ein geistiges Verhalten sich darstellt und zu erkennen gibt. Darum ist die Achtung, die wir wissenschaftlich und verhaltenspraktisch den geistigen Ausrichtungen, denen wir in der eigenen oder einer fremden Kultur begegnen, entgegenbringen, immer mit einem Kriterium der Beurteilung verbunden, das wir vorurteilslos geltend zu machen in der Begegnung aber ebenso lernen müssen, wie wir es von denen erwarten dürfen, die uns in unseren Beurteilungen beurteilen.
  2. Wir haben es in den geistigen Traditionen nie nur mit Gegenständen zu tun, nicht mit bloßen Texten, deren Sinn wir allein durch hermeneutische Methoden lediglich zu entschlüsseln hätten, sondern mit einem lebendigen Geist, für dessen Güte, Schönheit und Wahrheit wir im Geschichtsbewußtsein der Bildungs- und Entsprechungsnot auch durch Erkenntnis und Wissenschaft Sorge tragen. Es ist darum die Geisteswissenschaft auch in ihrer trans­kulturellen und interdisziplinären Aufgabenstellung von einer durchaus praktischen Wissensart. Diese kann in ein hilfreiches Beurteilen münden und in ihr nehmen wir aus dem kenntnisreich Begegnenden auch Wegweisungen auf, deren Bedeutung und Kraft weiter ausgreift als durch die Ländergrenzen von Sprach- und Kulturgemeinschaften vorgezeichnet. Begriffe in der Beurteilung der Geltung einer Maßgabe und ihrer Orientie­rungskraft lassen sich oft erst im Vergleich bilden. Insofern dient die komparative Forschung im Austausch der Deutungen und Wegsichten auch der Begriffsbildung in und für die verschiedenen Sprachen in ihrer Entwicklung.
  3. Die in ihren Bedeutungen maßgeblichen und am Orientierungsbewußtsein teilhabenden Begriffe betreffen die Bedingungen und Vermögen des Seinkönnens als Mensch und Person in Individualität und Gemeinschaftlichkeit. Das Personseinkönnen und das in Verantwortung Stehen für sich und die Gemeinschaft sind in ihren Bedingungen und in ihrer Erkenntnis ja auch keine Errungenschaften nur einer Kultur. Es kann darum insbesondere die Idee und der Begriff von Würde im Sein als Mensch und in der Achtung als Personen eine gemeinsame geistige Arbeit im der vergleichenden und in einer kritischen Betrachtung von kulturbedingten Traditionen anleiten. Das Maßgebliche auch für eine auf die kulturellen Unterschiede und Gemeinsamkeiten bezogene Erkenntnisarbeit ist dabei die Idee der Würde, nicht die Kultur, nicht der jeweilige Mensch in seiner kulturellen Eigenart (vgl. dazu die Arbeiten von Gregor Paul zu Menzius und den Begriff der Menschenwürde). Von ihr her sind wir überhaupt erst fähig, unterschiedliche Konzepte desselben wahrzunehmen und sind zugleich genötigt, sie als auf dasselbe bezogen in Gemeinschaft geltend zu sehen und zu prüfen. Wie diese Begriffsform von Würde als Grund in den Bedingungen einerseits des Achtungsvermögens sich gestaltet und andererseits zum Verpflichtungsgrund von Vernunft im Anspruch von Menschenrechten gehört, so daß keine Rechte für begründet gelten können, ohne daß Verpflichtungen übernommen wären, auch dafür ist mit der Frage nach der Einheit in der Vielheit auch divergierend erscheidender Bestimmungen desselben eine genuine philosophische Bildung in der Arbeit der Begriffsbestimmung und ihrer Methoden unverzichtbar.
  4. Mit den durch Forschung und Austausch zu ermöglichenden Erkenntnis- und Bildungsarbeiten fungieren die Mitarbeiter der Abteilung als geistige Brückenbauer in traditions­bewußter, geschichtlicher Verantwortung zwischen den Kulturen Ostasiens und Europas, ohne die Pfeiler dazwischen und die Strömungen darunter zu vergessen. Sie tragen zur
    Ermöglichung des verantwortlichen Handelns von Menschen als Weltbürger bei.

3.        Programmschwerpunkte

  1. Zu den programmatischen Aufgaben der AOG gehören der Aufbau und die Erweiterung internationaler Kooperationen durch kulturelle und wissenschaftliche Veranstaltungen wie Tagungen und Konferenzen und Einrichtung von Forschungsgruppen.
  2. Die internationale Austauscharbeit wird von der AOG durch Forschungs- und Bildungsaufenthalte für Wissenschaftler und Kulturträger aus Ostasien unterstützt, die sie nach Deutschland einlädt. Im Gregoriushaus als Stätte des IThB in Beuron bietet sich ein
    idealer Ort für diesen Aufenthalt zu gemeinsamer Forschung aber auch allgemeiner
    Studien­aufenthalte an.
  3. Die AOG widmet sich auch der Aufgabe, für Forschung, Wissenschaft und Bildung im Bereich der ostasiatischen Geistesgeschichte bedeutsame Bibliotheken zu sammeln, zu pflegen und, wo notwendig und möglich, ihren Erwerb zu unterstützen und ihren Bestand am IThB auszubauen.

4.       Forschung und Bildung

  1. Durch Tagungen, Symposien zu aktuellen gemeinschaftlichen Themen soll ein Stück Wegfindung möglich sein, darin man einander hilfreich sein kann. Deren Organisation dient so mittelbar auch der Orientierung in aktuellen und zukünftigen Problemfeldern.
  2. Forschungsseminare zu Textübersetzungen und -interpretationen sollen wechselseitig Zugänge zu den geistesgeschichtlichen Traditionen in Ostasien und Europa erweitert und neu gebahnt werden. Darum sollen besonders der Austausch und Disputationen zwischen Gelehrten und dem wissenschaftlichen Nachwuchs ermöglicht und gefördert werden.
  3. Erwachsenbildung: Bildungsseminare für interessierte Personen zu Themen der zu ostasiatischen Ästhetik wie ostasiatische Malerei („Philosophie der Tusche“), Diavorträge und Filmvorführung mit philosophischer Interpretation der Texte in ihrem Zusammenspiel mit der Malerei und der Filmästhetik und Dramaturgie.
  4. Beratung von Einzelpersonen und Institutionen zu den Schwerpunktthemen der AOG.
  5. Zusammenarbeit mit anderen Institutionen (Institute, Museen) im Bereich von Veranstaltungen und gemeinsamen Projekten.

5.        Publikationstätigkeit

  • »Studien und Texte zur ostasiatischen Geistesgeschichte«. Beuroner Schriftenreihe:
  • Einführungen, Studien, Interpretationen und Textübersetzungen; Ergebnisberichte von Tagungen und Arbeitsgruppen der AOG.

6.     Themen: Vorschläge und Anregungen

Zu den thematischen Schwerpunkten gehören mit Religion, Philosophie und Ästhetik:

  • Personsein 人格, Menschenwürde 人間的 尊嚴, Verfassung 憲法, Friedens- 平和 und Kooperationsbedingungen im Verhältnis von Rechten , 權利 und Pflichten 義務, ihre Achtungsbedingungen 尊敬, 尊重 und Gründe der Anerkennung.

Weitere Themen, die sich mit den erstgenannten verbinden und zu Reflexionen herausfordern, sind

  • Bildung 敎育, Selbstbildung 兼養, 修養, Gedächtnis 記憶, Ursprung 根源, Schönheit

Themen, die die Besonderheit und Eigentümlichkeit der ostasiatischen Philosophie ausmachen und darum zur Grundlageforschung in der komparativen Forschung gehören, sind:

  • Methodenbegriffe 方法槪念, Methodik 方法學, Argumentationsmethode 論法.

Für die drei wichtigsten Länder in den Kulturbereichen Ostasiens, deren schriftliche Traditionen mit dem Gebrauch der chinesischen Schriftzeichen verbunden sind, lassen sich exemplarisch die folgenden Fragenkomplexe anzeigen, die in der Arbeit der AOG aufgriffen werden:

  1. Begriffsbestimmungen in ihrer praktischen Bedeutung im Sinne von ‚Rechtheit der Namen’ 正名 und Verbindungsstrukturen der Begriffe 槪念組織. Beispiel China: Einen nicht unwesentlichen Anteil an der Bildung der neueren philosophischen Begriffssprache Chinas hatten die Übersetzungen von Aristotels- und Thomas-Texten von Jesuiten des 16. Jh. ins Chinesische. Im Rückgang aber auf die frühen konfuzianischen Lehren begegnet man im Zusammenhang mit politischen Weisungen dem Anspruch des „Zheng Ming“ 正名, das als ‚Rechtheit der Namen’ oder ‚Berichtigung der Begriffe’ (Ü. nach Geldsetzer) methodische Bedeutung in paradigmatischem Verhalten hat. Ursprünglich handelt es sich bei Kong Zi um eine regelhafte Anweisung zur Wiederherstellung der Rechtheit im politischen Handlungen. Zheng 正名 heißt wörtlich: Richtigkeit, Rechtheit, Berichtigung; und Ming: Name und Benennung. Als rechter Name und Rechtheit der Namen kann es auch in seiner Maßwirkung als Berichtigung der Namen im Sinne des Errichtens der Namen in ihrer Rechtheit übersetzt werden. Der rechte Name gewinnt so die Funktionsbedeutung eines Begriffs. Er ist dabei immer auch so zu verstehen, daß man sich gemäß dem mit dem gewahrten Namen recht Begriffenen zu verhalten hat und verhalten kann, da man ja des rechten Maßes in ihm gedenkt. Das „Zheng Ming“ fordert zur Rückkehr gegenüber dem sittlichen Verfall auf und bedeutet einen Gegenzug zur politischen Unordnung, die mit einem Verlust des Begriffs- und Namensgedächtnisses und damit eines Verfalls leitungskräftiger Handlungsideen einhergeht. Es gibt auch den Ausdruck „Dao Zheng Ming“ 正名的道 im Sinne einer politischen, die Handlungsart weisenden Idee wie die des „Herrschers" ( Jun = Fürsten), der sich wie ein wahrer Herrscher verhält und als "Jun Jun" 君君 (Herrscher Herrscher) Ausdruck findet. So auch beim „Diener“ ( Chen = Amtsträger) der sich wie ein Diener verhält 臣臣. Mit der Verdopplung wird eine Entsprechung bedeutet und angewiesen. Diese läßt sich jenen ideenbezogenen, kritischen Haltungen in der europäischen Tradition von Platon bis Kant und ihrer Beachtung von ursprünglichen und maßgeblichen Bedeutungen der Begriffe gerade für das philosophische Denken und für die praktische Handlung verbinden, die der besondern Achtung und Pflege bedürfen, um dieses Maßgebende erkennen und erhalten zu können. - Nach Mou Zongsan 宗三, einem der bedeutendsten chinesischen Philosophen des 20. Jh., gehört zu den wichtigsten Aufgaben der chinesischen Philosophie der systematische Ausbau der Verbindungsstrukturen ihrer Begriffe 槪念組織 建立 (vgl. Mou Zongsan, Neunzehn Vorlesungen zur chinesischen Philosophie 中國哲學 十九講, 1983). Da eine Erfahrung des Mangels an Begriffsstrukturierung in einer Syste­matik wohl zum Beweggrund von philosophischer Arbeit überhaupt gehört und er nicht durch bloße Terminologie oder Neubildungen behoben werden kann, bietet die kultur- und sprachübergreifende Reflexion eine besondere Chance. Diese kann nur in zweifacher Ausrichtung wahrgenommen werden: durch erweiterte wechselseitige Übersetzungstätigkeiten in Verbindung mit Rückgriffen auf die Denkerfahrungen in den jeweiligen Sprachtradition. - Ein jedes in seiner Stärke nehmen; im Gemeinsamen werden die Schwächen des anderen ausgeglichen. - Bieten nicht gerade die chinesischen Schriftzeichen eine besondere Möglichkeit, sich der Herkunft ihrer begrifflichen Bedeutung zu erinnern? Wenn beispielsweise das Wort für ‚gut’ sich aus den Zeichen für Frau und Kind zusammensetzt, wird dadurch eine soziale Bedeutung und das har­monisch Fürsorgliche und Wachstum Ermöglichende von Güte immer mitbedeutet, darin wieder verwandt mit der Darstellung der Idee des Guten in ihrer Wirkung durch das Sonnengleichnis bei Platon.
  2. Zu beachten sind strukturelle Analogien in der begrifflichen Bedeutungsform von Zeichen, Namen (vgl. Kants Hinweis auf die Verfahren der Analogiebildung für die Reflexion der Urteilskraft.). Zu berichtigen sind die neuscholastisch gefaßten Begriffe von Substanz etc. als Vergleichsgrund des Denkens in und zwischen den durch mannigfache Begegnun­gen sich geschichtlich ausbildenden Traditionen der Weisheit in der jeweiligen Gemeinschafts­verantwortung.
  3. Schemata und ihre Kommentare 圖說. Die Eigenart der schematischen Darstellung der Lehre beansprucht ‚Synopsis der Prinzipien’ in ihren strukturellen Zusammenfügungen. Sie entspringt denkerischen Bemühungen um ganzheitliche Erkenntnis von Prinzipien im Bereich ihrer – immer auch sozialen und politischen – Geltung und Wirksamkeit, die durch Einteilungen und ihre Verbindungen bestimmt werden: Schema der Kleinen Lehre 小學圖, Schema der Großen Lehre 大學圖, Schema des höchsten Prinzips (der äußersten Grenze ohne Grenze) 太極圖, Schema der Auslesung über die Menschlichkeit 仁說圖 und Schema der Lehre vom Geist 心學圖 usf. Beispiel Korea: Systematische Zusammenstellung der Schemata mit Kommentaren als Grundlage zur politischen Bildung der Könige und Herrscher für eine gerechte Herrschaft (vgl. Zehn Schemata der heiligen, königlichen Lehre
    聖學 十圖 von Toegye Li Hwang 退溪李, 16.Jh., einem der bedeutendsten Philosophen Koreas, den man der neukonfuzianischen Linie zurechnet.)
  4. Weisheit, Technik, Kunst. Lehre als Einübung im Gebrauch von geistigen Techniken wie im Buddhismus als Beispiel: Vergleich von Entwicklungslinien des Zenbuddhismus in Japan mit dessen chinesischen und koreanischen Vorläufern. Verhältnis des Schriftlichen zur ungeschriebenen Lehre in den Übungen und ihren Arten der Weisung in gesammelte Ruhe , 定 (samādhī), Leere (sūnyatā). Vergleich mit der Stoa einerseits und abendländi­scher Mystik andererseits, aber auch gegenüber den schamanistischen Extasetechniken (wie jemand zum Medium wird, daß er Weisung geben kann in nicht selbstkontrollier­tem Kontakt mit intuitiven Entscheidungsbereichen in der Seele.)
  5. Geist: Die durch Negationen (z. B. Selbstlosigkeit, Begehrlosigkeit und Leidenschaftslosigkeit usw.) nur erst abweisende, in ständiger Überwindung eines Festhaltens an etwas aber ‚höchst haltlos’ werdende Haltung des Geistes führt zu satori, Wachheit , in
    geistiger Beständigkeit (stabilitas). Diese höchst haltlose, an nichts sich haltende oder anhaftende
    無執 Beständigkeit des Wachseins ist eine Haltung des Geistes, in der er als ein "Halten von Nichts" zu sich als Geist kommt und von der Unruhe einer ständigen Negationstätigkeit sich unterscheidet. Mit Nishida und Nishitani kann man sogar von einer geistigen Haltung des ‚absoluten Nichts’ 絶對無 sprechen, die sich weder ontologisch noch kognitiv verstehen und durch deren jeweilige Termini also nicht recht übersetzen läßt. Der Begriff des Nichts gilt bereits in der daoistischen Tradition als praktischer Begriff geistigen Verhaltens. Als solcher ist er zugleich ein Grenzbegriff für die Sphäre des Geistes 精神 境界 槪念, mit dem die Kyoto-Schule zu einer neuen und andersartigen Reflexion auf den Begriff des Geistes und dessen Sphäre und Haltungsweise zu kommen hofft, als dies in der europäischen Tradition bislang erfahrbar schien. Was die Begriffe Nichts und Sein in reflexiver Redeweise bedeuten, führt uns so wieder zurück in die Arbeit der Kritik von Ontologie und Erkenntnistheorie zu den Bestimmungsversuchen des Geistigen als Begriff und in Ideen seiner Vermögen, denen wir im Denken an den göttlichen Geist auf eine mehr theologische Weise näher kommen als die modernen Strömungen in der sogenannten "Philosophie des Geistes", darin eher das Mentale oder das Bewußtsein gemeint ist, wie es das Gehirn erzeugt.
  6. Idee in Verantwortung: Ergibt sich so ein Dialog mit der Theologie in ihrer metaphysik-kritischen Grundfragen, kann in Erinnerung der politischen Bedeutung von Ideenbegriffen im Konfuzianismus mit den buddhistisch inspirierten Gedanken zum Nichts im Grundverhältnis des Geistes weiter auch nach dem gefragt werden, was in den gegenwärtigen Bewegungen als "gesellschaftlich engagierter Buddhismus" gilt. Verbunden bleiben all diese Komplexe durch ihre sich untereinander vernetzenden Grundbegriffe, die in ihrem Verbund die Arbeitszusammenhänge leiten.

So können sich auch problemverbunden Grundfragen der Sittlichkeit und des Rechts im Zusammenhang von wirtschaftlichen und politischen Strukturen anschließen, auch dort, wo die eher technisch-praktischen Bereiche der Lebensorientierung angesprochen sind, etwa in der Medizin oder den Ingenieurs- und Umwelttechniken. Für alle Handelnden bedeutsam sind die in den Verschiedenen Arten des Verhaltensvermögens einsichtig werdenden Bedingungen und Prinzipien für Entscheidungsträger, die national und international in Vertretung von Handlungsgemeinschaften als Individuen Verantwortung übernehmen und die Bedingungen der Vermögen zu handeln darum in die Acht nehmen können müssen.

6.        Veranstaltungen

  1. Internationale Tagungen
  2. Forschungsseminare
  • Anhand ausgewählter Werke aus den Traditionen des Daoismus, Konfuzianismus und Buddhismus werden
  • unterschiedliche Bildungsformen, Gebrauch und Verständnisse der relevanten, tragenden Begriffe herausgearbeitet (in begriffsgeschichtlicher Arbeit),
  • ihre Bedeutung im Blick auf die jeweiligen Werke in ihrem Gesamtgefüge erörtert,
  • aktuelle Bezüge ihrer Bedeutungen in vergleichender Prüfung mit den europäischen Traditionen herausgestellt und
  • Übersetzungs- und Interpretationsarbeiten vorbereitet und durchgeführt.

     3. Lektürekurse für Studierende und den wissenschaftlichen Nachwuchs: Es bedarf einer Verbindung von Begriffs-, Vergleichs-, Übersetzungs- und Interpretationsarbeiten.

     4. Seminare und Kurse zur Ästhetik: Philosophische Interpretationen zur ostasiatischen
Tuschemalerei und die reflexive Kraft von Kunstwerken als Güter der Menschheit.

Laozi Daodejing Workshop vom 20.-23. September 2007

 

 

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