Institut für philosophisch-theologische Forschung und Bildung

Anselm von Canterbury Stiftung Beuron

Philosophischer Workshop 14. - 17. August 2008

 

Lao Zi »Daodejing« 老子道德經

Dao und die Würde des Königs


Die Abteilung für ostasiatische Geistesgesichte des Instituts für philosophisch-theologische Forschung und Bildung (IThB) veranstaltet vom 14. bis 17. August 2008 im Gregoriushaus zu Beuron zum zweiten Mal einen Workshop zu Lao Zi. Der Workshop soll Wissenschaftlern, Studierenden und Interessierten die Gelegenheit geben, sich intensiv mit Schlüsselkapiteln des »Daodejing« zu befassen. Im Anschluß an den ersten Workshop 2007 zum Thema „Dao und die Grenze der Nennbarkeit“ hat der diesjährige Arbeitskeis sich das Thema „Dao und die Würde des Königs“ vorgenommen.

Dao läßt sich in seiner Ursprungsbedeutung von ‚Weg‛ als ein praktischer Begriff der Geisteshaltung und des tugendhaften Handelns verstehen. Damit sind ein wesentlicher Grundzüg des Dao genannt. Es selbst aber als das, was all seine weiter zu erörternden Bedeutungen vereint, entzieht sich der begrifflichen Bestimmung noch in der Nennung. Mit dieser Grundeinsicht hebt das berühmte erste Kapitel des Daodejing an und intoniert eines seiner Leitmotive.

Das nennbare Dao ist nicht das ewige Dao. 道可道, 非常道,

Der nennbare Name ist nicht der ewige Name.“ 名可名, 非常名.

Wo im Daodejing dann anschließend Himmel, Erde天地und die zehntausend Wesen unter dem Himmel 天下萬物 (tianxia wanmu) genannt werden, handelt es sich nicht um ein beschreibendes Nennen oder ein Bestimmen gegebener Verhältnisse. Wir begegnen hier keiner deskriptiven Naturphilosophie, sondern es ‘stehen’ Himmel, Erde, König , Mensch in nicht linearer, nicht hierarchisch zu konstruierenden Folge- und Aufnahmeverhältnissen (vgl. K16, 25). Himmel, der dem dao folgt, und die Erde, die dem Himmel etc. folgt 地法天, 天法道(vgl. K 25), ist Himmel selbst und Erde selbst, wie sie sich in ihrem Sosein, in ihrem von selbst so Sein 自然 in Orientierung (der Rechtheit und zur Rechtheit) verhalten.

Was „unter dem Himmel“ 天下ist als sich in Wegfindung bewegend, wachsend und zu einer Selbstordnung gelangend, ist nicht einfach gegeben und darum mit seiner Nennung nicht schon dargestellt. Der König, das Königliche, hat entscheidende und je vorbildhaft zu verstehende Mittlerfunktion. Die Wesen werden schon im Verhalten zum Königlichen unter dem Himmel begriffen und vom Dao her ist ihnen zu und mit ihm gegeben, den rechten Weg – sich und mitsammen – zu finden (K16, 25). Darum ist auch im Gegenzug zur naturhaften Deutung jede zu kurzschlüssige Übertragung in politische Verhältnisse zu vermeiden. Es ist vielmehr mit einigem Ernst zu vernehmen, daß in bestimmten Passagen immer wieder von dem die Rede (in K2, 22, 32, 35, 37, 40) ist, was „unter dem Himmel“ seiend sich verhält. Es wird so genau in jener Seins- und Verhaltensweise angesprochen, in der es unter der Gabe des Dao steht (K21) und für deren Annahme das als zu Gast Sein beim König für alle Wesen (K32) gilt und eröffnet wird.


Dao ist beständig namenlos, einfach, unscheinbar nur klein. 道常無名, 樸雖小.

Wenn die Fürsten und Könige es wahren können, 侯王若能守之,

Werden die zehntausend Wesen selbst zum Gast. 萬物將自賓.“ (K32)

Das Dao erhält seine Benennung nicht als Ding, nicht als Gehabtes, sondern durch und vom Verhalten des Königlichen her und zwar durch jene Verhaltensweise, die dem Dao – im es Wahren 守 – als angemessen zu erkennen sein werden. Nur so ist das Königliche ein Wahren des Dao守之. Von diesem wissen wir unter den Dingen nichts als aus und mit diesem Verhalten des Wahrens. Das Wahren des Dao zeigt sich als Vermögen in der Wirkung, gastlich zu sein, bīn. Es ist Gastdienst und das „zu Gast Kommen“ ist seinerseits ein dadurch hervorgerufenes oder erzeugtes Dienen (und konnotiert Unterwerfung). Was durch Gastlichkeit im Verhalten der Könige und Fürsten hervorgerufen wird, erzeugt mit der ihm gleichenden Dienstbarkeit ein „von selbst“ Kommen. Allen Wesen 萬物unter dem Himmel ist es so vom Königlichen her zum Vermögen bestimmt, sich als gastlich und so selbst als gastgebend zì bīn自賓zu verhalten. Dies schließt ein, daß sie einander in der Ordnung ihrer Königswürde achten: als gemeinschaftlich gleichen Ursprung zu haben. Im Vermögen der Achtung als eine das Dao wahrende Haltung kann das Dao nur so in den Dingen wirken, wie wir es durch das Verhalten des Königs侯王若能守之 in ein Vorbildverhältnis bringen, das als Ermöglichung wirkt. Zibin 自賓, selbst zum Gast, bedeutet hier, sich in Dienst zu begeben. Die, die vermögen, sich durch den königlichen Gastgeber als gute Gäste zu verhalten, werden mit diesem ‚Sich unter diese Bestimmung des Dienens Stellen‛ selbst vermögend, Gastgeber zu sein. So ist das zibin自賓auf das Einfache puzu beziehen, das nicht dienstbar ist.


Fürsten-Könige tun nicht durch das Würdige und Höhere,… 侯王無以貴高, …

das Würdige hält darum das Niederige zu seinem Grund 故貴以賤爲本, …

darum nennen sich die Fürsten-Könige Verwaiste, Geringe, Unwürdige,…

是以侯王自謂孤,,不穀“ (K 39)

Im Workshop werden wir eine gemeinsame Übersetzungs- und Interpretationsarbeit von zentralen Kapitel des »Daodejing« beginnen, mit denen sich zugleich die Relevanz des Themas um „Dao und die Königswürde“ erschließt. Ausgewählt sind das Leitkapitel des Daodejings K1 und K25, 27, 28, 32, 34, 37, 38, 39, 42, 51, 66 spezifisch zum Thema „Dao und die Königswürde“. Vergleichend können wir das Thema der Königswürde in der abendländischen Tradition z. B. in Platons Politeia und dem Königum Gottes im Neuen Testament diskutieren und erste Verbindungslinien zu Kunst und Dichtungen ziehen. Es wird dazu einen Vortrag geben. Ferner wollen wir uns durch chinesiche Malerei uns die Landschaft als geistigen Ort vergegenwärtigen, Dao in seiner Erhabenheit und Würde zu empfinden, und ihre Bilder als Darstellungsort des dem Dao entsprechend sich verhaltenden Geistes zu erkenen suchen. Wir werden dazu an einem Abend einige ausgewählte Bilder der Shansuihua 山水畵 (Landschaftmalerei Ostasiens) gemeinsam betrachten und interpretieren.



Nähere Information: www.anselm-stiftung.de. E-mail: anselmiana@gmx.net, Tel: 07466-284428

Adresse: Institut für philosophisch-theologische Forschung und Bildung (IThB) Gregoriushaus Wolterstraße 9 88631 Beuron


Tagungsstätte: Gregoriushaus. Mittagessen im Gastflügel des Klosters Beuron.

VP incl. Tagungsbeitrag 120 € (90 € ermäßigt).