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Anselm von Canterbury Stiftung
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  Workshop vom
20. - 23. September 2007
 

Institut für philosophisch-theologische

Forschung und Bildung

   

 

Lao Zi »Daodejing«

„Dao und die Grenzen der Nennbarkeit“

  

 

Die Abteilung für ostasiatische Geistesgeschichte des Instituts für philosophisch-theologische Forschung und Bildung (IThB) veranstaltet einen Workshop zu Lao Zi, der Wissenschaftlern, Studierenden und Interessierten die Gelegenheit gibt, sich intensiv mit Schlüsselkapiteln des »Daodejing« zu befassen. Zum leitenden Thema hat der Arbeitskreis vom 20. bis 23. September 2007 im Gregoriushaus zu Beuron sich das Verhältnis von nennbarem Dao (im Grundverhältnis aller Dinge) und Unnennbarkeit genommen.


Dao, das wörtlich „Weg“ bedeutet, wird auch als Vernunft, logos, bodhi, Prinzip, Sinn, Weg, Natur usf. gefaßt und so auf vielfältige Weise übersetzt. Es ist diese Bedeutungen umfassend weniger als ein Allgemein-, denn als ein Ursprungsbegriff aufzunehmen. Dao ist Ursprung aller Dinge, ist Wirkkraft aller durchdringenden Wandlung in der Welt. Als solches kann Dao die Prinzipien in Sein und Werden umgreifen, aber so, daß es zugleich als Richt-maß für das Handeln gilt. Wirkgrund ist es darum für eine Welt, in der Handelnde sich schon orientieren. Es läßt sich darum in seiner Ursprungsbedeutung von Weg als ein praktischer Begriff der Geisteshaltung und des tugendhaften Handelns verstehen. Damit sind die wesentlichen Gründzüge des Dao genannt. Es selbst aber, das all diese seine Bedeutungen vereint, entzieht sich der begrifflich bestimmten Nennung. Darum ist das nennbare Dao nicht das als ursprünglich ewige Dao.

Das berühmte erste Kapitel des Werkes beginnt:   

                    
„Das nennbare Dao ist nicht das ewige Dao.                              
Der nennbare Name ist nicht der ewige Name.                           
Das Nichts ist der Name für den Anfang von Himmel und Erde. 
Das Sein ist der Name für die Mutter der zehntausend Dinge. “  
(I, 1-2)

Mit diesen prägnanten Sätzen ist der Leitton des Werkes Daodejing angeschlagen: in der Unnennbarkeit des ewigen Dao ist seine Nennbarkeit als Ursprung und Wirkgrund aller Dinge (und Handlungsangelegenheiten) schon vorausgesetzt und nur vom Nennenkönnen her kann das Unnennbare – als Grenze der Nennbarkeit – angesprochen und ins Denken gehoben werden.
Die Erkennbarkeit des ewigen Dao erfordert also Erkenntnis in Erschließung der Grenzen der Nennbarkeit und darin der Haltungen und Vermögen im Bestimmen und Beherrschen der Dinge und des Geschehens. Zur Wahrung einer dem Dao entsprechenden Geisteshaltung reichte es nicht zu, das Dao zu nennen sich nur zu verbieten. Schon im Denken und Aussprechen des Verbots müßte das Nichtzunennende doch genannt oder durch eine Bestim-mung umgrenzt werden.


„Das Dao ist für Laozi gleichermaßen das, was alle Dinge erzeugt, wie Richtmaß des prak-tischen Verhaltens des Menschen. In beiderlei Hinsicht läßt es sich nicht in eine nennbare Formel fassen: Als Ursprung alles Geformten ist es selbst formlos und entzieht sich in seiner Vagheit dem Zugriffsversuch des Denkens, als Richtweg des menschlichen Lebens läßt es sich ebensowenig auf Regeln bringen. Gleichwohl unternimmt das Daodejing ausgedehnte Versuche, sich in sprachlicher Form dem Dao anzunähern." (Tilo Eilebrecht)

Das Dao zu denken heißt, es als Maßgrund in verhaltensleitender Geltung wirksam sein zu lassen und erfordert für die Angemessenheit der Denkhaltung eine Unterscheidung von – wahrendem – Begreifen und umgrenzender Bestimmung und Regel. Seine Wirkweise ist also keine, die jenseits der geistigen Tätigkeit für wirklich angenommen werden könnte, sondern muß mit dem Geist das Nennen und Begreifen ausdrücklich umfassen und mit in den Anspruch nehmen, den das Dao als Grund, Ursprung und Maßgabe stellt. Es ist also keine unbeseelte Natur, keine blinde, keine mechanisch-dynamische Wirkkraft von Sein und Leben vor und jenseits des Geistes.


Begriffe wie >Nichts< und >Sein< müssen im Denken des Dao angesprochen, >das Namenlose< und >das Namen habende< müssen genannt werden. Erst durch die Verbindungen der zweifachen Nennungen als >Nichts< und als >Sein< sind die Dinge in ihrem Grundverhältnis überhaupt sie selbst und als solche bestimmt und erkennbar. Damit öffnet sich das Tor zum Anfang und Ursprung, der selbst namenlos (und verborgen, vgl. K.41) durch die Nennungen als Grund des erkennbaren Seins und Wirkens im Denkbaren, im uns Zugänglichen, Unverborgenen, „vertreten“ wird. Alle Nennung des Dao und das für es stehende Begriffswort ist so zurückgebunden an die Unnennbarkeit des Ewigen, das wiederum gebunden bleibt an die stellvetretende Nennung und darum im Namenlosen doch als „ewiger Name“ gilt. Diese Einsicht in das immer und ewig wirkende Dao, das sich nur mit der Grenze der Nennbarkeit und ihrer Erkenntnis ergibt, hebt und birgt die das Werk des Daodejing durchdringende Kraft.
Im Workshop möchten wir zunächst eine gemeinsame Übersetzungs- und Interpretations-arbeit der zentralen Kapitel des »Daodejing« beginnen, mit denen sich die Relevanz des Themas um die Grenzen der Nennbarkeit des Dao erschließt. Vorgeschlagen sind die Kapitel 1, 14, 16, 21, 23, 25, 32, 38, 40, 41, 42. Herausarbeiten möchten wir die verschiedenen sprachlichen Formen der Reflexion auf das unnnenbare Dao in seinen Nennungen und Verhaltensbeziehungen. Begleitend können wir ausgewählte Landschaftszeichnungen aus der ostasiatischen Tuschmalerei betrachten, mit denen wir ersehen können, wie über die ästhetische Reflexion die Darstellung des Wesens des Dao sich die Wege zu seiner geistigen Entsprechung leiten.

Prof. Dr. Wegmann, Bochum, der u.a. über die Bambustexte arbeitet, hat seine Teilnahme ebenso zugesagt wie Prof. Dr. Vittinghoff, Lehrstuhl für Sinologie, Altes China, zu dessen Forschungsschwerpunkten die klassische chinesische Philosophie bis zur Han-Zeit gehört.

Koordination: Dr. Chung-Mi HwangBo, Wolterstr. 9, D-88631 Beuron, Tel +49 (0)7466 284407 E-mail: anselmiana@gmx.net in Zusammenarbeit mit Dr. Tilo Eilebrecht, Basel +41 61 311 8071.

Teilnahmebeitrag (incl. Vollpension mit 4 Übernachtungen) 120,00 €.; Tagungsstätte Gregoriushaus, Mittagessen im Kloster Beuron. Anreise Do 20.9. bis 20h; Verlängerung des Aufenthalts ist möglich.

Nähere Informationen demnächst hier unter www.anselm-stiftung.de und auf Anfrage.

 

 

 

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