Quod Deus sit quidquid melius est esse quam non esse: et solus existens per se omnia alia faciat de nihilo.

Anselm von Canterbury

Proslogion cap. V

 

 

Quid es, Domine, quid es, quid te intelliget cor meum? Certe vita es, sapientia es, veritas es, bonitas es, beatitudo es, aeternitas es, et omne verum bonum es. Multa sunt haec, non potest angustus intellectus meus tot uno simul intuitu videre, ut omnibus simul delectetur. Quomodo ergo, Domine, es omnia haec? An sunt partes tui, aut potius unumquodque horum est totum quod es? Nam quidquid partibus est iunctum, non est omnino unum, sed quodam modo plura et diversum a seipso, et vel actu vel intellectu dissolvi potest; quae aliena sunt a te, quo nihil melius cogitari potest. Nullae igitur partes sunt in te, Domine, nec es plura, sed sic es unum quiddam et idem tibi ipsi, ut in nullo tibi ipsi sis dissimilis; immo tu es ipsa unitas, nullo intellectu divisibilis. Ergo vita et sapientia et reliqua non sunt partes tui, sed omnia sunt unum, et unumquodque horum est totum quod es, et quod sunt reliqua omnia.

Proslogion cap XVIII
 

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Ästhetische Vernunft

Anselms schmales, im schönsten Gleichgewicht strahlendes Werk verwirklicht in reiner Gestalt die Anliegen theologischer Ästhetik. Seine Vernunft ist monastisch wie die des Areopagiten, aber benediktinisch, das heißt zugleich gemeinschaftlich, dialogisch. Als monastische ist sie der Form nach kontemplativ, anschauend, sich zeigenlassend; als benediktinische ist sie dem Inhalt nach Bewußtsein personaler Freiheit und in Freiheit geprägter Lebensform.

Hans Urs von Balthasar, Herrlichkeit Bd II,1

Ästhetisch vermag die Vernunft nach der Seite des Empfindens hin in jener Ebenbildlichkeit des Verhaltens sein, darin sie Achtung ist, die das Gewürdigte in der Seele aufscheinen läßt und Gemeinschaft aus dieser Ordnung der Achtsamkeit bildet. Sie wirkt das Ethische, in das die Kontemplation mündet, wo sie sich in der Achtung der Würde der Personen wieder dem Lebendigen zuwendet und für es Sorge mit zu tragen vermag.

Nach der Seite der Werke und des Schönen der Erscheinungen hin wird die Vernunft von der Urteilskraft in eine Reflexion verhalten, in der das Schauen sich bricht und das Unzusammenstimmende von zu Erkennendem und anschaulich zu Bildendem die Einsichtswege begleitet, die auf Werkgestalten und ihre Strukturen angewiesen bleiben. In diesen Weisen des Ästhetischen der Vernunft gedenken wir auch dem Vergeblichen, dem Scheiternden in den Lebensvollzügen und den Zuwendungen im aktiven Leben. Die Werkgedächtnisse in der Kontemplation wahren mit der Distanz zum Handlungszwang ein je der Deutung bedürftiges Bild dessen, was in der ästhetischen Schau der Vernunft die Tugenden des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung in Anspruch nimmt, aber zu keinem eindeutigen Verstehen und Bewußtsein, was dies sei, auf was unser Sinnen geht, gebracht werden kann.

Begriffe wie die vom Reich Gottes, vom Himmlischen oder von der beglückenden Schau Gottes „von Angesicht zu Angesicht“ reichen einander die Hände der Deutbarkeit ihrer sie begleitenden Vorstellungen und nehmen uns mit in die Reflexion unser traditionsvermittelten Orientierungen, mit denen die christlich theologische Erkenntnis ihre Welt- und Geschichtsverantwortung übernommen hat. Ästhetische Vernunft ist Vernunft der Freiheit nur in eben dieser Verantwortung, in die wir als Personen – mit dem Gedächtnis des dreieinigen Gottes durch den Geist in der Nachfolge Christi – gestellt sind.

Harald Erben, IThB
 

Gott Welt Seele

Ebenbildlichkeit und Nachfolge

Liebe zu den Begriffen

System der Ideen

Begriff des Ursprungs

Einheit der reflektierenden Urteilskraft als Methode

Zur Architektonik der Kritik

Theorie der Engel

Übersetzungswissenschaft

Monologion

Proslogion